Das war die Jahreskonferenz 2026 - 20 Jahre UN Global Compact Netzwerk Österreich : Orientierung in einer Welt im Wandel
Rund 120 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und den Vereinten Nationenfeierten am 13. Oktober 2026 in der Libelle im Wiener MuseumsQuartier das 20-jährige Bestehen des UN Global Compact Netzwerk Österreich. Unter dem Titel „Nachhaltigkeit in Zeiten globaler Fragmentierung – Orientierung in einer Welt im Wandel“ ging es um die zentrale Frage, wie Unternehmen angesichts geopolitischer Spannungen, wirtschaftlicher Unsicherheit, regulatorischer Komplexität und technologischer Umbrüche handlungsfähig und wettbewerbsfähig bleiben.
Durch das Programm führte Tina Deutsch, Mitgründerin und Vorständin des KONTEXT Instituts; die Podiumsdiskussionen moderierte Amira Awad, Trainerin und Journalistin.
Georg Kell: Prinzipien als Kompass in unsicheren Zeiten
Den inhaltlichen Auftakt machte Georg Kell, Gründungsdirektor des UN Global Compact. Er erinnerte an die Entstehung der Initiative Ende der 1990er-Jahre, als nach dem Zerfall der Sowjetunion vom Ende ideologischer Rivalität die Rede war. Damals lud die UN die Privatwirtschaft erstmals ein, universelle Prinzipien in Strategie und Geschäftstätigkeit zu verankern, und stärkte so internationale Normen, die bis dahin allein Sache der Regierungen waren. Unternehmen trugen damit dazu bei, das regelbasierte Marktsystem zu festigen und der Globalisierungskritik zu begegnen. Gute ESG-Performance wurde zur Voraussetzung für Geschäftsbeziehungen und Investitionen. Die Prinzipien des UN Global Compact halfen vielen Unternehmen, ihre Werte und Unternehmenskulturen zu erneuern, wodurch sie Talente gewinnen und kostspielige Fehler vermeiden konnten.
Heute befänden wir uns in einer zunehmend ungeordneten Welt, in der Kriege, Protektionismus und Großmachtrivalität die Nachkriegsordnung aushöhlen, gesellschaftliche Spaltungen sich vertiefen und politische Extreme erstarken. Dennoch bleibe die Nachhaltigkeitsagenda bestehen, betonte Kell: Ihr klassischer Nutzen – Vertrauen schaffen, Mitarbeitende stärken, Risiken und Kosten senken – gelte weiterhin, und Dekarbonisierung und Kreislaufwirtschaft würden weiter an Bedeutung gewinnen. In zunehmend gespaltenen Gesellschaften könnten Unternehmen mit den universellen Prinzipien des UN Global Compact Brücken bauen und Dialog ermöglichen, denn gesunde Märkte und Gesellschaften beruhten auf gemeinsamen Werten. Kein Unternehmen könne allein etwas bewegen, gemeinsam aber viel. Kell plädierte deshalb dafür, Krisen als Chance zu begreifen: „Keep your head above the clouds, but be sure that your feet are on the ground.“
Podium 1: Rahmenbedingungen für die Transformation
Die erste Podiumsdiskussion widmete sich der Frage, welche Rahmenbedingungen Österreich und Europa für eine zukunftsorientierte Transformation brauchen. Es diskutierten Nina Vaskunlahti, Botschafterin und Ständige Vertreterin Finnlands bei den Vereinten Nationen in Wien, Komplexitätsforscher Peter Klimek, Direktor des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII), und Robert Holnsteiner, Leiter der Abteilung Mineralrohstoffpolitik im Bundesministerium für Finanzen. Einig war sich das Podium, dass Europas Verwundbarkeit in der Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen liegt und die Kreislaufwirtschaft ein wichtiger Teil der Lösung ist. Klimek betonte jedoch, dass nicht jede Abhängigkeit eine Verwundbarkeit sei. Da nur wenige Unternehmen ihre Lieferketten genau kennen, plädierte er für mehr Transparenz, mehr Verarbeitung in Europa und strategische Allianzen, kurz: für einen systemischen Ansatz. Vaskunlahti verwies auf Finnlands weltweit erste Kreislaufwirtschafts-Roadmap, die dank breiter Beteiligung über Wahlzyklen hinweg Bestand hat, und erinnerte daran, dass ein funktionierender Binnenmarkt auf Vertrauen und gemeinsamen Werten beruht. Holnsteiner wies auf die physischen Grenzen der Kreislaufwirtschaft hin, die nur durch Innovation zu überwinden seien, und sprach sich für dekarbonisierten Bergbau und ein eigenes Kreislaufwirtschaftsgesetz aus.
Podium 2: Wie bleiben Unternehmen auf Kurs?
Die zweite Podiumsdiskussion stellte die Frage, wie Unternehmen in einer Welt im Wandel Orientierung finden und auf nachhaltigem Kurs bleiben. Es diskutierten Martina Pletzenauer, CEO des Tiroler Bio-Familienbetriebs biologon, die Soziologin und Zukunftsforscherin Christiane Varga sowie Johanna Pirker, Informatikerin und Professorin an der TU München und der TU Graz. Für Pletzenauer sind die SDGs ein klarer Kompass: Bei jedem Projekt frage sie, welche Auswirkungen es auf die Partner:innen habe, denn Vertrauen und faire Beziehungen hätten sich gerade in Krisenzeiten bewährt.
Varga sieht Krisen auch als Innovationstreiber. In einer hochkomplexen Welt, in der alte Werkzeuge nicht mehr greifen, empfahl sie kleine, wirkungsvolle Schritte statt großer Zukunftsentwürfe und mehr Mut zum Scheitern.
Pirker, Mitglied des unabhängigen wissenschaftlichen KI-Panels der Vereinten Nationen, betonte, dass sich die Risiken künstlicher Intelligenz nur global und mit einem gemeinsamen Wertekompass lösen lassen. Zum Abschluss gaben die Diskutantinnen eine gemeinsame Botschaft mit: Zuversicht entsteht dort, wo Menschen einander vertrauen, Freundlichkeit verbreiten und Bildung als Schlüssel für eine gemeinsame Zukunft begreifen.
Das letzte Wort gehörte denen, um deren Zukunft es geht: Der Kinderchor der SUPERAR-Musicalgruppe Music Moves beendete das Rahmenprogramm mit einem musikalischen Beitrag.
Die Künstlerin Chiara de Eccher visualisierte live die Beiträge aus den Diskussionen und kreierte eine Vision für die kommenden Jahre des Netzwerks: Werte geben Orientierung, Kooperation macht wirksam, und mit Mut und kleinen, wirkungsvollen Schritten lässt sich die Zukunft gestalten. Klimaschutz wurde dabei als Schutz der Freiheit verstanden, Frieden als Fundament einer guten Zukunft. Dem UN Global Compact Netzwerk Österreich kommt die besondere Rolle zu, Unternehmen in unsicheren Zeiten Rückenwind zu geben.
Wir bedanken uns herzlich bei unseren Sponsor:innen biologon GmbH und Verbund AG, bei unseren Produktsponsor:innen Julius Meinl 1862 GmbH, SONNENTOR und Five Points Promotion GmbH, unserem Supporter Andritz AG sowie unserem Medienpartner BUSINESSART und bei unseren Moderatorinnen, Speaker:innen und Gästen für den spannenden Austausch. Wir freuen uns auf die nächsten 20 Jahre des UN Global Compact Netzwerk Österreich und blicken mit Ihnen optimistisch und mutig in eine verantwortungsvolle Zukunft.
(c) Philia Kleemann
Bei Fragen wenden Sie sich gerne an Hannah Lohrmann.