TRANSITIONSPLAN
Wie österreichische Unternehmen die Klima- und Biodiversitätskrise angehenEine gemeinsame Analyse des UN Global Compact Network Austria und des WWF Österreich beleuchtet erstmals den Status quo von Unternehmen in Österreich, die unter das Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG) fallen, in Bezug auf Klimatransitions- und Biodiversitätspläne. Die Untersuchung zeigt, wo ambitionierte Ziele, Strategien und tatsächliche Umsetzung noch auseinanderlaufen.
37 Prozent der untersuchten Unternehmen verfügen bereits über einen veröffentlichten Klimatransitionsplan mit langfristigen Zielen und Umsetzungsplan, weitere 51 Prozent befinden sich in der Planung. Rund die Hälfte dieser Unternehmen auf dem Weg nennt konkrete Veröffentlichungstermine; die andere Hälfte bleibt vage und ohne Angaben zur Entwicklung.
Transitionspläne: Fahrplan Richtung Netto-Null
Transitionspläne geben Unternehmen einen klaren Rahmen für den Weg zu klimaverträglichen Geschäftsmodellen. Anders als allgemeine Nachhaltigkeitsstrategien sind sie auf einen klar definierten Zielzustand, etwa das Erreichen von Netto-Null-Emissionen, ausgerichtet. Laut der Corporate Sustainaibility Reporting Directive (CSRD) müssen Klimatransitionspläne unter Standard ESRS E1 offengelegt werden. Besteht noch kein Klimatransitionsplan, müssen Unternehmen transparent darlegen, ob und wann die Entwicklung vorgesehen ist.
Als Gründungsmitglieder der Science Based Targets initiative (SBTi) unterstützen das UN Global Compact Network Austria und der WWF Österreich Unternehmen auf diesem Weg.
Strategisch eingebundener Klimaschutz ist zentral, um langfristig Kosten zu reduzieren, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und damit zur Klimaneutralität 2040 in Österreich beizutragen. Trotz ambitionierter Vorreiter hinkt die Mehrheit in der Qualität ihrer Berichterstattung hinterher.
Zwischen Anspruch und Zielklarheit
89 Prozent der analysierten Nachhaltigkeitsberichte zeigen, dass Unternehmen sich grundsätzlich mit der Klimatransformation befassen – entweder durch einen bereits veröffentlichten Klimatransitionsplan oder durch dessen Entwicklung. Dies zeigt, dass nur eine kleine Minderheit sich aktuell gar nicht mit der Klimatransition auseinandersetzt.
Leitfäden des WWF-Netzwerks und des UN Global Compact verdeutlichen, dass die Festlegung eines ambitionierten Zielniveaus eine zentrale Voraussetzung für die Erstellung eines wirksamen Klimatransitionsplans ist.
Doch oft fehlen klare, wissenschaftsbasierte Ziele der untersuchten Unternehmen:
43 Prozent kommunizieren kein kurzfristiges und 61 Prozent kein Net-Zero-Ziel. Von diesen Zielen sind jeweils nicht alle wissenschaftsbasiert und von SBTi validiert.
Das Bild ist heterogen: Qualitätskriterien wie Dekarbonisierungshebel und die Zuweisung von Finanzmittel, die einem Transitionsplan Glaubwürdigkeit verleihen, sind noch häufig nicht oder nur unzureichend angegeben. Dekarbonisierungshebel beschreiben dabei übergeordnete Pakete an Klimaschutzmaßnahmen, wie Energieeffizienz oder den Umstieg auf erneuerbare Energien. Nur 13 Prozent erfassen ihre Hebel quantitativ, 41 Prozent qualitativ. Die restlichen Unternehmen setzen maximal einzelne Maßnahmen, identifizieren aber keine übergeordneten Hebel. Während einige Unternehmen bereits konkret darlegen, in welchem Umfang finanzielle Ressourcen für die Umsetzung ihrer Klimaziele vorgesehen sind, bleibt bei der Mehrheit unklar, wie und in welchem Ausmaß Investitionen tatsächlich zur Unterstützung der Klimatransformation eingesetzt werden Finanzielle Mittel sind bei 32 Prozent der Unternehmen zumindest teilweise quantifiziert, 59 Prozent machen hierzu keine Angaben.
Biodiversität: Relevanz erkannt, aber noch selten strategisch verankert
Viele Unternehmen erkennen die Bedeutung Biodiversität für ihr Geschäftsmodell. Erste Analysen sowie projektbezogene Ziele und Maßnahmen sind häufig vorhanden, eine umfassende Strategie jedoch selten.
Wir alle profitieren von einer intakten Natur. Ein Großteil der Unternehmen hat das erkannt und sieht Biodiversität als wesentlich an. Jetzt gilt es ins Handeln zu kommen und Strategien zu entwickeln.
Zwar bewerten 59 Prozent der analysierten Unternehmen Biodiversität als wesentlich, doch nur 21 Prozent von ihnen planen die Entwicklung eines Biodiversitätstransitionsplans, um das Thema tiefer und langfristig in der Unternehmensstrategie zu verankern.
Transparente Klimatransition als Wettbewerbsvorteil
Transitionspläne sind mehr als ein Reporting-Tool: Als strategisches Steuerungsinstrument sollten sie abteilungsübergreifend sowie integrativ im Unternehmen verankert werden. Besonders die Quantifizierung von Hebeln für die Umsetzung und dafür nötigen Finanzmitteln schafft nicht nur Transparenz und Glaubwürdigkeit gegenüber Stakeholder:innen, sondern liefert auch entscheidungsrelevante Informationen für das Unternehmen. Die Einbindung international anerkannter Rahmenwerke wie SBTi oder Science Based Targets for Nature (SBTN) sorgt zusätzlich für Vergleichbarkeit, wissenschaftsbasierten Anspruch und die systematische Integration der Reduktion von Auswirkungen ins Kerngeschäft.
Unternehmen, die bislang keinen Klimatransitionsplan haben, sollten zeitnah handeln, um ihr Geschäftsmodell langfristig zukunftsfähig auszurichten, Risiken durch den Klimawandel abzusichern und den Anschluss an den Marktstandard nicht zu verlieren.
Gleichermaßen wichtig ist die Biodiversität: Laut Weltrisikoreport des World Economic Forum zählt Biodiversitätsverlust langfristig zu den größten wirtschaftlichen Risiken. Wer jetzt gezielt Strategien entwickelt, schützt nicht nur sein Geschäftsmodell, sondern kann sich zugleich als Vorreiter positionieren.
WWF Österreich und UN Global Compact Network Austria sind sich einig:
„Ein Transitionsplan darf kein Papiertiger sein. Für echten Mehrwert müssen Transitionsplanung und andere strategische Entscheidungen bei Unternehmen Hand in Hand gehen. Unternehmen, die bislang keinen Transitionsplan haben, sollten dringend nachziehen, um ihr Geschäftsmodell zukunftsfähig aufzustellen, sich gegen Klimarisiken abzusichern und den Anschluss nicht zu verlieren. Gleiches gilt für den Umgang mit Biodiversitätsverlust, der langfristig zu einem der größten wirtschaftlichen Risiken zählt.“
Webinar 27. Jänner 2026: Vorstellung des Publikation
WEITERFÜHRENDE PUBLIKATIONEN
Veröffentlichungen des WWF und UN Global Compact zum Thema Transitionspläne
- UN Global Compact Network Austria (2025). Theorie trifft Praxis: Ein Leitfaden für Klimatransitionspläne in österreichischen Unternehmen
- UN Global Compact Netzwerk Deutschland (2025). Transitionspläne: Strategische Bedeutung, Steuerungspotenziale und praxisnahe Umsetzung eines unternehmerischen Klimamanagements, Diskussionspapier,
- WWF Deutschland (2023). Transformation mit Plan: Wie Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben
- WWF Frankreich (2024). Catalysing Change: The Urgent Need for Nature Transition Plans
- WWF Frankreich (2025). Climate Transition Plans: A Deep Dive into Existing Practices
- WWF UK (2023). Nature in Transition Plans: Why and how? How companies can consider climate and nature together in current transition planning
